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Die anhaltende Trockenheit bereitet auch den Winzern an Saale und Unstrut große Sorgen. Eigentlich könnte derzeit ein Super-Jahrgang reifen. Die südländischen Sonnenstunden rollen vor allem dem Rotwein den Roten Teppich aus. Die Weinpflanzen sind bestens mit Trauben bestückt. Wäre da nicht das große ABER: „20 Millimeter Niederschlag in drei Monaten, das bringt auch den stärksten Rebstock zur Verzweiflung“, kommentiert Hans Albrecht Zieger das aktuelle Klima. Weniger Wasser bedeute auch, dass sich die Beeren mit weniger Flüssigkeit versorgten. Das könnte schon jetzt etwa 15 Prozent der üblichen Erntemenge kosten. Der Jahrgang 2017 brachte noch etwa drei Millionen Liter in die Genossenschaftskeller.

Der Geschäftsführer der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut muss in seinem Wetterkalender bis auf den 16. April zurückblättern, um auf den letzten Regentag zu stoßen. Das bringt die Weinbauern zusätzlich zum Schwitzen. Zwar haben die älteren Pflanzen sich ein tiefgreifendes Wurzelwerk zugelegt, mit denen sie sich bislang an den Feuchtigkeitsreserven des vergangenen Winters im Erdinneren schadlos halten konnten, aber auch die scheinen langsam zu versiegen. Bei jüngeren Pflanzungen und vor allem in den Steillagen sähe die Situation schon deutlich anders aus. Das vergebliche Suchen nach jedem Tropfen Wasser setze die Pflanzen immer mehr unter Stress. „Sie reagieren entsprechend, sie pumpen alle erreichbare Energie in ihre Trauben, um so das genetische Überleben zu sichern. Dabei setzen sie ihre übrigen Versorgungsaufgaben jedoch radikal auf Sparflamme, schalten das Wachstum ab. Das sieht man an den Blättern, die sich vom Sattgrün verabschieden und immer heller werden.“ Das könne im Extremfall zum Verlust der ganzen Pflanze führen, so der studierte Önologe. Überraschend käme für ihn diese klimatische Situation aber nicht. Schon vor zehn, fünfzehn Jahren warnten Experten vor solcher steppenartigen Witterung, die mit einer Verschiebung der Nass-Trocken-Perioden einherginge. Diesem klimatischen Treiben schauen die Winzer aber nicht tatenlos zu. Eine Möglichkeit sind Bewässerungssysteme. Die seien aber sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb recht kostspielig, meint Zieger. Gerade einmal fünf von insgesamt 400 Genossenschaftshektar verfügen gegenwärtig über eine solche direkte Wasserleitung bis zum Stock. Bleibt meist nur Handarbeit. „Die Pflanzen müssen entlastet, Laubwand und Traubenbestand deutlich ausgedünnt werden“, beschreibt der Geschäftsführer die Losung dieser heißen Tage. Dadurch werde der Stock entlastet und die Pflanze bei ihrem Sparprogramm unterstützt. Das Wetter hätte aber auch einen Vorteil. Vielen natürlichen Feinden der Rebstöcke ist es nämlich auch zu trocken. Vor allem die gefürchteten Mehltau-Pilze finden wenig Gelegenheit, es sich auf den Beerenhäuten bequem zu machen. Es fehle einfach am Frühtau in den Anlagen, stellt Hans Albrecht Zieger fest. Dadurch verringere sich in diesem Jahr der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich.